Lötstellen Curtis


laase

Aktives Mitglied
08.10.2009
954
Passt ja, dachte ich gerade: war vor einem Jahr das letzte Mal hier im Forum, kann ich ja mal wieder ;-)
Muß aber noch dazu erwähnen: es liegt nicht an euch Forenmitgliedern, sondern an meiner Neigung zum Erhalt von Alttechnik. Die Forensoftware und meine Androidversion sind leider nicht mehr kompatibel; ich kann nicht schreiben und in letzter Zeit auch nicht mal mehr lesen ... Hier jetzt von zu Hause mit PC.

Nachdem mein originaler Curtis 1204X-4201 (24-36V, 275A) aus der Else (Bj 1990) im August 2013 so nach und nach nicht mehr wollte, habe ich zunächst einen neueren Curtis Typ 1204-404 (36-48V; 275A) aus meinem Motorrad im El verbaut. Den älteren El-Curtis habe ich repariert (Elkos, Dioden, Mosfets, Treiber, ...; hier gibt's einige Beiträge von mir dazu) und in Richtung höhere Batteriespannung, geringerer Ruhestrom, Vorladesteuerung und Ausgang für Fahrstrom-Schütz modifiziert. Dann den ins Motorrad eingebaut.

Der jüngere 404 fuhr nun die ganze Zeit klaglos in der Else bis diesen Sommer erst sporadisch, dann immer häufiger "keine Gasannahme" zu verzeichnen war: El fährt einige km, dann geht man irgendwann vom Gas, das Schütz fällt ab und obwohl das Schütz beim nächsten Gasgeben anzieht, kommt kein Vortrieb mehr. Dumm, wenn man gerade an einer Stauschlange vorbeigefahren ist und sich vorn reingedrängelt hat ...
Das Problem war leider lange Zeit überhaupt nicht greifbar, da zu Hause "in Messumgebung" immer alles tadellos funktionierte. Irgendwann Anfang Oktober kam der Ausfall dann aber kurz nach dem Losfahren und ich nahm mir die Zeit, durchzumessen: tatsächlich schaltete kein Mosfet mehr durch; die Gaspotispannungen waren vollkommen ok.

Dann also wieder Curtis auf, reinschauen. Sieht alles super aus. Keine Korrosion, Elkos alle unauffällig. Dummerweise geht der Curtis nach dem Aufmachen natürlich wieder, keine Fehlersuche möglich :(
Aber dann mal mit einem billigen Mikroskop nach dem Lötstellen geschaut und, oh Gott, die sind ja zum Teil gebrochen oder eingerissen! Manche Beinchen haben zwar einen "Zinnkragen" um sich herum, zwischen Beinchen und Kragen scheint es jedoch eine isolierende Oxidschicht zu geben, die man schwarz im Bild sieht. Bei wieder anderen ist der Zinnkegel gar nicht "vollgefüllt", sondern besteht nur aus dünnen Fäden:
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Habe dann ALLE Lötstellen am Curtis mit Sn60Pb38Cu2 F-SW32 nachgelötet und den Curtis wieder zugemacht und abgedichtet. Bisher (1 Monat) fährt er gut. Ich kann natürlich nicht zu 100% behaupten, daß es an den Lötstellen lag, habe aber die starke Vermutung. Ein kleiner Rest geht in Richtung Vor-/Rückwärts Schütz (Popel auf den Kontakten o.ä.).

Viele Grüße, Lars
 

Christian s

Bekanntes Mitglied
28.10.2006
2.494
Hallo Lars ! schön wieder was von Dir zu hören ! Sind das originale Lötstellen gewesen oder solche die Du selbst schon mal gelötet hattest ?
 

Werni

Aktives Mitglied
19.02.2019
447
Ja, das ist nicht unüblich bei alten Geräten, insbesondere wenn sie mechanisch und thermisch belastet werden. Wie man ja am Lötzinn vor der Verarbeitung feststellen kann, ist das sehr weich und flexibel. Wird es aber zu dünn verlötet, kann durch dauernde Erschütterung oder häufiges warm/kalt an Lötstellen eine Materialermüdung des Lotes auftreten, wenn es nicht das Bauteilbeinchen verschiebt, sondern wegen zu kleinem Querschnitt es sich selbst dehnt. Kenne ich auch aus vielen alten 80er Jahre CB-Mobilfunkgeräten.

Und ja, diese fiesen Risse sind hauchdünn...

Im Zweifelsfall alles mit ordentlich viel Lot nachlöten. Alles, auch das was noch gut aussieht, das hatte genausoviel Erschütterungen wie der Rest vom Gerät...

Gruß,

Werner
 

laase

Aktives Mitglied
08.10.2009
954
Hallo Christian,
danke! Ihr Elwebber habt mir auch ganz schön gefehlt! Aber Schluchz beiseite, ich habe meinen Ökogrundsatz beiseite gelegt und mir ein neues Handy geordert. Das kann dann hoffentlich wieder 8 Jahre mithalten und ihr kriegt täglich meinen Senf ab ;-)
@werner, Christian: Die fotografierten Lötstellen sind original. Also so, wie "rausgezogen", d.h. vorgefunden. Danach habe ich ALLE nachgelötet und nicht noch einmal fotografiert. Bisher läuft alles unauffällig, ohne jegliche "Nichtgasannehmer".
Viele Grüße, Lars
 

Snowboarder

Neues Mitglied
03.06.2018
10
Hallo liebe Elektroautofahrer,
zu den Curtis-Lötstellen oder sonstigen Lötstellen auf Platinen ist folgendes zu sagen.
Wenn die Drahtenden von Bauteilen nach dem einlöten abgeschnitten werden ist es zwingend notwendig nochmal nach zu löten.
Abgeschnittene Lötstellen oxidieren am Übergang zwischen Cu und Zinn je nach Luftqualität.Nach spätestens 10Jahren gerade bei Vibration gibt es Wackelkontakte.
MfG Snowboarder (habe die ersten Lötstellen 1962 bei der Fa Grundig geübt)
 

laase

Aktives Mitglied
08.10.2009
954
ja, das habe ich tatsächlich auch so gelernt, daß man nicht erst lötet und dann "ablängt"! Nach dem Löten Abschneiden machen aber sehr viele, gerade auch im industriellen Bereich. Geht wahrscheinlich schön schnell und man bekommt alle schön auf eine Länge, ohne daß die Bauelemente wieder "nach oben ausweichen" ...
Ich könnte mir vorstellen, daß das nicht der einzige Curtis ist, der innen solche Lötstellen hat. Wenn die diese Technologie erst einmal so eingependelt haben, wurden wahrscheinlich alle Curtisse dieses Baujahrs und möglicherweise noch vieler voriger und nachfolgender Jahre so gebaut.
"SerialNo: 03220B-1988", kann das jemand zuordnen? Tippe auf Baujahr um 2000 herum, jedenfalls deutlich jünger als der alte im El von 1990.
 

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