Wallbox Ladeleistung drosseln - Elektroauto Forum

Wallbox Ladeleistung drosseln

kautzy

Neues Mitglied
04.09.2025
3
Hello!

ich habe eine Frage betreffend der Auswahl einer Wallbox.

Ich lebe in Österrreich in einem Mehrparteienhaus und würde gerne eine Wallbox installieren lassen. Von der Hausvewaltung wurde eine maximale Ladeleistung von 5.5kW (in Österreich privilegiertes "Langsamladen") bewilligt.

Da ich selbstständig bin würde ich eine Wallbox mit MID-Zähler benötigen.

Aktuell habe ich ein Plug-In Hybrid Auto, dass nur 1-Phasig laden kann, würde aber gerne demnächst auf ein reines Elektroauto wechseln.

Ich habe jetzt ein wenig Installations- und Bedienungsanleitungen gelesen. Bei günstigeren Wallboxen (ohne Zähler) kann die Ladeleistung vom Elektriker meistens per Dip-Switches eingestellt bzw. gedrosselt werden. Die Wallboxen mit Zähler verfügen meistens nicht über solche Switches - ich vermute, dass das dann über Software gesteuert werden kann... aber dazu habe ich nix Genaues in den Anleitungen gefunden...? Eigentlich sollte ich als Endnutzer nicht die Möglichkeit haben, diese Ladeleistung zu ändern? Bei Dip-Switches könnte der Elektriker die Wallbox plombieren - aber wie ist das wenn das über Software läuft?

Ist es möglich, zwei Phasen zu deaktivieren und die dritte auf 3.6 oder 5.5 kW zu drosseln - und in weiterer Folge, wenn ich ein reines E-Auto habe, wieder auf 3x1.6 kW umzustellen?

noch 2 Fragen:

nachdem ich die Preisunterschiede zwischen 11 und 22kW Wallboxen nicht so hoch finde... machts Sinn gleich eine 22kW Wallbox zu nehmen, für den Fall, dass sich die Gesetzeslage ändert?

Könnt ihr mir konkrete Modelle empfehlen? Wie gesagt, benötigt wird ein MID-Zähler und die Möglichkeit, halbwegs komfortabel diese Daten auszulesen. Mobilempfang wird eher schlecht sein in der Garage - aber wenn ich mich mittels App zu der Wallbox verbinden kann wenn ich daneben stehe reicht das schon. Und eben die Drosselbarkeit auf 5.5kW.

Empfohlen wurde mir eine "Mennekes Wallbox Amtron 4Business 730 22kW" - kennt die jemand? ist da das Drosseln möglich?

Würd mich über ein wenig Licht ins Dunkel freuen!

lg,

Chris
 

Kamikaze

Bekanntes Mitglied
Hmmm... leider kenne ich mich mit der Gesetzeslage in Ö nicht aus.

Was würde dir eine 22kW-Wallbox bringen, wenn die Hausverwaltung dir die maximale Ladeleistung vorgibt?
Die Hausverwaltung übt in dem Fall ja das Hausrecht aus und wäre demnach auch kaum von Gesetzesänderungen betroffen. (Oder ist das in Ö anders als in D?)

Dazu kommt, dass kaum ein neues Fahrzeug einen 22kW-Lader an Bord hat, weil es schlicht unnötig ist, sofern das Fahrzeug DC-Ladung beherrscht. (11kW bringen über eine 10h-Nacht sogar den derzeit dicksten Akku voll.)

Außerdem gilt hier in D eine Grenze für max. 4,5kVA maximale Leistung bei einphasigem Laden.
Stichwort: Schieflast
Würde mich wundern, wenn das in Ö signifikant anders wäre.

Grundsätzlich kann man jede Wallbox drosseln, die Überschussladen beherrscht.
Und in deinem Fall wäre eine Softwarelösung womöglich garnicht so schlecht.

Folgende Idee dahinter: Die Hausverwaltung genehmigt dir "nur" 5,5kW.
Das hat sicherlich einen Grund abseits des "privilegierten Langsamladens" (denn davon hätte die HV ja selber nichts).
Liegt es also an der Kapazität des Hausanschlusses, Schieflast-Bedenken, oä. könnte eine Software spätestens dann nötig werden, wenn weitere Stellplätze mit Ladepunkten ausgestattet werden sollen.
Solche Software-Lösungen können nämlich nicht nur einzelne Ladepunkte drosseln, sondern auch die verfügbare Leistung optimal auf alle Ladepunkte verteilen (oder sie einem einzelnen Ladepunkt zuteilen, wenn sonst gerade niemand angestöpselt hat).
Außerdem kann die Software Steuersignale des Netzbetreibers (ist hier in D gerade ein Thema: Stichwort §14a EnWG) verarbeiten, als auch vergünstigte Netzentgelte (hier in D § 14a EnWG Module 1-3) nutzen, um die Ladevorgänge zu optimieren.
Das können kaum WBs out-of-the-box (und wenn überhaupt dann nur im Zusammenspiel baugleicher WBs). Softwarelösungen wie z.B. EVCC oder Homeassistant wären da deutlich flexibler.
Wenn also beispielsweise 4 Stellplätze verfügbar wären, und die HV mit 5,5kW Ladeleistung je Stellplatz rechnet, dann könnten mit einem Energiemanagementsystem auch zwei Ladepunkte die vollen 11kW ins Fahrzeug ballern, so lange die anderen beiden Stellplätze nicht angestöpselt haben (oder schon voll sind).
Wenn nur ein Stellplatz gerade nicht laden würde, blieben den übrigen dreien noch je 7,3kW Ladeleistung.
Am Ende gewinnen dadurch alle.
Dann bräuchte es nur jemanden vor Ort, der sich um das System kümmert. (Die meisten Hausverwaltungen haben da vermutlich keinen Bock drauf.)
Normalerweise laufen solche Systeme vollautomatisch, aber hin und wieder braucht es mal ein Softwareupdate, neue RFID-Chips müssen angelernt werden, und so. Ist nicht schwierig, braucht aber jemanden vor Ort, der sich entweder mit dem System auskennt, oder willens ist sich bei Bedarf anhand der (idR. guten) Dokumentation durch die "Servicethemen" zu wursteln.

Alternativ: Frag doch mal die übrigen Bewohner, ob sich da direkt ein paar Leute finden, die ebenfalls Ladepunkte installieren lassen wollen. Dann würde es für alle günstiger, und evtl findet sich jemand, der sich gerne mit der Software auseinandersetzt.

Zur Phasenaufteilung:
Die meisten Wallboxen beherrschen inzwischen "Phasenumschaltung" - also den automatischen Wechsel zwischen 1phasiger und 3phasiger Betriebsweise.
Ein Lastmanagement-System könnte diese Umschaltung vollautomatisch daran ausrichten, was das angestöpselte Fahrzeug kann.
Diese WBs sind entsprechend relativ einfach und unkompliziert um zu stellen bei Bedarf.
Bei fest eingestellten WBs würde eine 3phasige 11kW-WB selbstständig nur ca. 3,6kW liefern, wenn das angeschlossene Fahrzeug nur einphasig laden kann.
Technisch wird bei Ladepunkten ja nicht direkt die Leistung, sondern eigentlich der Strom je Phase begrenzt. (Strom ist nämlich das, was Leitungen und Stecker erwärmt. Die Leistung ergibt sich in Kombination mit der Netzspannung lediglich daraus.)

11kW entsprechen 16A auf drei Phasen bei 230V Wechselspannung.
Schließt man davon nur eine Phase an (weil das Auto eben nicht mehr kann), dann bleiben noch 16A * 1 Phase * 230VAC = 3,6kW übrig.

Fazit:
Ich an deiner Stelle würde erst mal in Erfahrung bringen, WARUM die HV dir genau 5,5kW zugesteht (und warum nicht mehr, oder weniger).
Mit dieser Antwort lässt sich dann bedeutend leichter eine Lösung finden, die für alle Parteien das beste herausholt.
 
Zuletzt bearbeitet:

kautzy

Neues Mitglied
04.09.2025
3
Vielen Dank für die Informationen.

Tatsächlich glaube ich, dass die Hausverwaltung die 5.5kW genehmigt hat, weil sie die Installation nicht verbieten kann. Mehr ist da offenbar nicht dahinter. Diese Grenze dürfte konkret bei 5.5kW liegen, weil das das Minimum für 3-phasiges Laden ist (keine Ahnung ob das stimmt, aber es steht offenbar so im Gesetz).

"Seit der WEG-Novelle 2022 ist die Anbringung von Ladestationen zum Langsamladen von Elektrofahrzeugen privilegiert. Sohin wird die Durchsetzung vereinfacht und gelten die üblichen Voraussetzungen (Verkehrsüblichkeit bzw. wichtiges Interesse) aufgrund der ausdrücklichen gesetzlichen Anordnung jedenfalls als erfüllt. Das Langsamladen iSd WEG-Novelle 2022 ist nicht nur auf einphasiges Laden beschränkt, sondern umfasst vielmehr auch dreiphasiges Laden. Im Gesetz wird nicht konkret definiert, welche Ladeleistung noch als Langsamladen anzusehen ist, jedenfalls fällt aber das Laden mit 5,5 kW (das Minimum für dreiphasiges Laden) darunter.

Im Hinblick auf die laufende Weiterentwicklung der Leistungen von Elektrofahrzeugen gilt zu beachten, dass eine Ladeleistung von 22 kW oder 11 kW jedenfalls nicht mehr als Langsamladen gilt. Die Anbringung solcher Ladestationen ist daher nicht privilegiert und die Ersetzung der Zustimmung durch das Gericht demnach im Einzelfall von der Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen abhängig"

Also ich denke die ideale Lösung wäre eine Wallbox, die bei einem 1-phasigen Ladevorgang mit 5,5kW auf einer Phase- und bei einem 3-phasigen Ladevorgang mit 3x1,8kW lädt. Aber ich denke, das wird so nicht möglich sein, oder? Wenn doch, müsste es eine 22kW Wallbox sein? 11kW wäre ja auf 3,6kW/Phase beschränkt...?
 

Werni

Bekanntes Mitglied
19.02.2019
2.521
Heidenrod
Hi,

ich klink mich da mal kurz ein.

Die Angabe der Leistung einer Wallbox bezieht sich eigentlich immer auf dreiphasiges Laden. 22kW sind dabei 32A pro Phase, 11kW 16A pro Phase.

Da 5,5 kW nun die Hälfte von 11kW sind, ist auch die Stromstärke mit 8A halb so groß.

Hier steht etwas darüber, wie der letzlich final fließende Ladestrom festgelegt wird:


Leider gibt es keine Kabelcodierung für 8A (geht erst ab 13A los), sonst könnte man bei einer Wallbox mit festem Kabel dem Auto suggerieren, das Kabel könne nur 8A und damit nimmt das Auto auch nicht mehr. Somit braucht man für Dreiphasenbetrieb eine einstellbare Wallbox, in der das codiert wird und die das Auto dann mit der Pulsweite des Rechtecksignals auf 8A steuert.

Bei einphasiger Ladung ist es einfacher, da geht es mit der Kabelcodierung: 20A einphasig sind etwa 4600 Watt, damit bleibst du unter der Vorgabe. So würde ich es auch kostengünstig realisieren. Ein 11kW Lader kann daran zwar nur 16A, aber auch das sind immer noch 3,6 kW - über Nacht (10 Stunden) wandern so brutto 36kW in das Auto, das sind selbst bei einem Fahrzeug ohne Top-Effizienz 200km Fahrtstrecke. Das sollte bei üblicher Tagesnutzung genügen.

Gruß,

Werner
 
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Kamikaze

Bekanntes Mitglied
Diese Grenze dürfte konkret bei 5.5kW liegen, weil das das Minimum für 3-phasiges Laden ist (keine Ahnung ob das stimmt, aber es steht offenbar so im Gesetz).
Frag da mal nochmal bei deiner HV nach.
Gemäß Typ2-Standard liegt die minimale Ladeleistung bei 6A. Das sind etwa 1,4kW einphasig bzw. 4,2kW dreiphasig.

Davon abgesehen könnte ein Energiemanagement-System auch unterschiedliche Stromstärken für 1ph und 3ph-Ladung verwalten. Für die Software ist es ja kein Problem Stromstärke in Leistung und umgekehrt zu berechnen. ;)

An dieser Stelle muss ich allerdings fragen, ob es dann überhaupt eine Wallbox sein muss.
Eine blaue CEE-"Camping"-Buchse liefert auch bis zu 3,6kW Dauerleistung, kostet aber nur einen Bruchteil (einstelliger Eurobetrag), im Vergleich zu einer Wallbox (idr. 3-4stelliger Eurobetrag).
Die Wallbox macht in deinem Fall mMn. nur dann überhaupt Sinn, wenn diese mit einem Lastmanagement (und ggf. anderen Wallboxen) zusammen eingesetzt wird.
Die CEE-Buchse ließe sich sowohl mit einem Schloss (gegen Missbrauch) ausstatten, als auch mit einem "Ladeziegel" (oft auch "Notladegerät" bezeichnet) problemlos zur Auto-Ladung verwenden.
Die Teile gibt es inwischen günstig von diversen Herstellern.
Wie @Werni schon richtig schrieb bekommt man damit in die allermeisten Autos jede Nacht ca. 150-200km Reichweite nachgeladen. Fährst du wirklich jeden Tag mehr?
 
Zuletzt bearbeitet:

kautzy

Neues Mitglied
04.09.2025
3
Frag da mal nochmal bei deiner HV nach.
Gemäß Typ2-Standard liegt die minimale Ladeleistung bei 6A. Das sind etwa 1,4kW einphasig bzw. 4,2kW dreiphasig.
ich glaube um die 5.5kW zu hinterfragen bin ich bei der Hausverwaltung an der falschen Stelle. Die richten sich einfach nach der WEG-Novelle von 2022 und den OGH Entscheidungen.


"Das Langsamladen war eines der Kernelemente der Novelle 2022, wobei bewusst keine Definition vorgenommen wurde. In Anlehnung an die Entscheidung des OGH vom 18.12.2019 wird darunter zunächst das einphasige Laden mit 3,7 kW verstanden. Die erläuternden Bemerkungen zur Novelle sehen dies weniger streng und erlauben auch das dreiphasige Laden mit 5,5 kW. Aufgrund der fehlenden Definition ist es den Gerichten möglich, das WEG in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln und § 16WEG an den jeweiligen Stand der Technik anzupassen."

Es wirkt für mich jedenfalls stark so, dass diese gesetzlichen Vorgaben für's Langsamladen zu schwammig formuliert sind, und dass es in naher Zukunft einer Anpassung bedarf. Drum würde ich gerne gleich eine Wallbox installieren, mit der man gegebenenfalls in Zukunft auch problemlos mit 11 oder 22kW laden kann.
 

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