Thema Blackout

saxobernd

Aktives Mitglied
23.07.2020
538
Ich meine nicht die Bläck Fööss, die ich um 1998 herum in mein Herz geschlossen hatte. Nein, bei deren Konzert in der Kölner Unimensa hatten wir mal einen vollen Stromblackout, und der kann in diesem Winter wieder vorkommen. Ja, ich komme gleich wieder mit meinem langweiligen Thema: Gleichstrom.
Hätten wir wenigstens ein teilweises Gleichstromnetz, wäre das Wiederhochfahren kein Problem und in Sekunden erledigbar. Haben wir nicht, sondern 50 Hertz. Beim Vollblackout dauert es Tage bis Wochen, bis alles wieder im Gleichschritt funktioniert. Kohle, das geht nicht, Kernenegie schon gar nicht. Dann muss abgeschaltet werden. Ihr seht dann schon, wo.
Annalena weiß sicher schon, wo. Klar, wo die AFD stark ist. Tschechien und Polen sind dann abgeschaltet, das geschieht automatisch. Hilfe kommt dann von da keine mehr. Vielleicht noch ein wenig vom Reifenberg, aber nicht vom Sonnenberg. Ein zweites Netz, natürlich mit Gleichstrom, ermöglicht langsames Auf- und Ab-Regeln, das gibt es noch nicht.
Die meisten Wechselstromgeräte funktionieren nicht daran. Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Aber keine Sorge, erst nach dem bläckout. Bis dahin, so geht die Mär, haben wir noch endlos Zeit...
Fortsetzung erfolgt nach dem bläckout +1Woche, bis die 50Hz wieder stehen.
 

Werni

Aktives Mitglied
19.02.2019
1.288
Heidenrod
Das gewünschte Gleichstromnetz krankt an einem ganz grundlegendem Problem:

Auf 'Strecke' (also für die großen Entfernungen) brauchste Spannungen im hohen KV-Bereich, sonst musst du Leiter mit Querschnitten im Quadratmeterbereich legen. Das will keiner.

KiloVolt an der Steckdose zuhause will aber auch keiner, das gibt zuviele gegrillte Katzen, Hunde und Kinder.

Die Umsetzung zwischen beidem, wie machste das bei Gleichstrom? Ohne Trafo schonmal gar nicht, wenn es um Leistungen geht. Also brauchts doch wieder Wechselstrom. Und wie macht man den dann? Mit Halbleitern... Das sind aber aktive, empfindliche Bauteile, die gerne die nicht ganz so flinke Sicherung schützen, indem sie zuerst kaputtgehen :) Man braucht also SEHR flinke Sicherungen (flinker als die Halbleiter jedenfalls).

Daraus entsteht direkt das nächste Problem: Starke Einschaltströme killen dauernd die flinken Sicherungen. Nicht gut!

Das Wechselstromnetz kann dagegen die verschiedenen Netzebenen hervorragend durch Trafos und so eben OHNE aktive Halbleiterelemente verbinden. Durch die begrenzte magnetische Kapazität der Kerne zieht ein Kurzschluss in einem Subnetz auch nicht das ganze Kernnetz mit runter, weil durch den Trafo halt nur soviel durchgeht, wie der magnetisch von einer auf die andere Seite bringen kann. Bei aktiven Halbleiterumsetzern in einem Gleichstromnetz müsstest das schon wieder aktiv begrenzen, das wäre aber wesentlich weniger fehlertolerant wie die magnetisch-konstruktive Begrenzung eines Trafos.

Die Lösung des von dir geschilderten Problems sind übrigens genügend schwarzstartfähige Kraftwerke.


Gruß,

Werner
 

Norbert

Mitglied
19.08.2018
199
79771 Klettgau
Zitat Bern : .... Analena weiß sicher schon wo.... was spricht dagegen eine Gegend wo viele leute der meinung wären mit der afd wäre alles besser........, auch mal dhingehend bevorzugt zu behandeln ? oki Politik aus
Der Bläckout wird kommen, sucht mal z.b. Netzfrequenz 8 Januar 2021. Die frage ist wie lange er anhalten wird ?
Die Schweiz fährt derzeit eine Sensibilisierugskampagne. Großverbraucher über 100´000 kWh Verbrauch wurden angeschrieben was sie im Falle abschalten können zb Rolltreppen, Sauna, Bäder Beleuchtung reduzieren, Maschinen abschalten usw. und zwar bevor alles aus ist. Die Organisation OSTRAL* bereits 1993 ! gegründet, ist mit der Umsetzung beauftragt.
Was können / sollen wir tun ? Die schwarzstartfähigen Kraftwerke sind m.E. nur ein Teil der Lösung und " relativ " teuer
Auch unsere Industrie und Bevölkerung mus darau sensibilisiert werden. Noch mehr größere Verbraucher oder Erzeuger entsprechend schnell dazu oder abgeschaltet werden können.
Jerde für sich zuhause Akkulampen und Campingocher zutun und nicht der erste sein wollen wen es wieder Srtom gibt, das erleichter das wiederaufbauen des Netzes.
OSTRAL Organistion für STRomversorgung in Auserordentlichen Lagen
 

Emil

Bekanntes Mitglied
04.04.2006
2.665
Woher kommt diese (irrationale) Angst vor einem Blackout?

Das deutsche Stromnetz hat die Ausfallrate in den letzten 15 Jahren halbiert.

Die lokalen und Netzweiten Ausfälle kommen nicht durch eine Unterversorgung des Netzes, sondern durch technische Ausfälle oder (absichtliche) Fehlplanungen der Bilanzkreisverantwortlichen.

Auch der Einbruch der Netzfrequenz am 8. Januar 2021 lag nicht an einer Unterversorgung.

Am 26.01.2021 hat die ENTSO-E die Ergebnisse ihrer Analyse des Vorfalls veröffentlicht. Demnach kam es zu einer Überlastung einer Sammelschienenkupplung in einem Umspannwerk in Ernestinovo in Kroatien. Durch eine Schutzauslösung um 14:04:26 Uhr wurden die beiden verbundenen Sammelschienen getrennt. Anschließend setzte eine Kaskade von Folgeeffekten ein. Denn die Lastflüsse durch das Umspannwerk in Ernestinovo mussten sich über andere Leitungen und Umspannwerke verteilen. Aufgrund der plötzlichen Veränderungen an weiteren Stationen kam es zu weiteren Auftrennungen in benachbarten Umspannwerken westlich und östlich von Ernestinovo, was schließlich die Aufspaltung des Netzes entsprechend der durch die ENTSO-E veröffentlichten Abbildung zur Folge hatte:
Solche Fehler können immer wieder passieren, sind aber mit den vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen zu beherrschen.

Man kann nur vermuten warum von bestimmten Kreisen immer wieder die Blackout-Gefahr beschworen wird. Früher waren es die Stromkonzerne um das Vordringen der EE zu verzögern. Dabei hat sich herausgestellt, dass gerade die EE zu einer Stabilisierung der Netzfrequenz führen, während die Großkraftwerke durch den Stromhandel mit festen Umschaltzeiten im Stundentakt jedes Mal zu starken Frequenzänderungen führen. Das hat man zwar durch den 1/4 Stundenhandel etwas entschärft, aber man sieht die Auswirkungen immer noch deutlich. Wenn dann noch einzelne Marktteilnehmer mit falschen Zahlen operieren, um mehr Profit zu machen, weil Strom für die Netzstabilisierung günstiger ist als der regeläre Strom, dann wird das schon kriminell.

Und dann sind da noch diejenigen die lokale Stromspeicher propagieren, entweder weil sie Profit damit machen, oder aber wie die Stromkonzerne Kosten der Netzstabilisierung auf Privatleute überwälzen, die nicht rechnen können. Da werden auch Blackout-Ängste geschürt, damit sie überteuerte Speicher betreiben und damit 20-30 % der PV-Erzeugung in Speicherverlusten verbraten, anstatt den erzeugten Strom anderen Verbrauchern zur Verfügung zu stellen und damit fossile Kraftwerke aus dem Netz verdrängen. Es ist sogar noch schlimmer, denn wäre das für den Speicher verbrannte Kapital in mehr PV-Fläche investiert worden, könnte das 2-3 fache der Energie welche durch den Speicher läuft, ins Netz eingespeist werden, und so den Druck auf die fossilen Erzeuger noch weiter erhöhen.

So wird aus der Blackout-Angst ein Hemmschuh für die Energiewende.
 

Andreas106

Mitglied
29.03.2011
188
Das Wechselstromnetz kann dagegen die verschiedenen Netzebenen hervorragend durch Trafos und so eben OHNE aktive Halbleiterelemente verbinden.
Ja, und noch viel wichtiger. Die Netzfrequenz ist ein Indikator für die Netzlast. Dadurch können (könnten) Verbraucher und Erzeuger regelnd eingreifen. Wird z.B.bei PV so gemacht.
 
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thegray

Bekanntes Mitglied
15.04.2008
8.713
Ja, und noch viel wichtiger. Die Netzfrequenz ist ein Indikator für die Netzlast. Dadurch können (könnten) Verbraucher und Erzeuger regelnd eingreifen. Wird z.B.bei PV so gemacht.
Hi hiiii - aber auch erst nach einer Zwangsänderung vor etwa 5Jahren die Hunderte von Millionnen kostete -

Ansonsten das Thema ist.
A. Schon lannge ausgekocht (Virtuelles Kraftwerk; Online Technik heute incl. WLORAN; SIGFOX und ko. Auch Unabhöngig von jeder sonstige Netzversorgung)
B. Schon vor Jahren mit eben genau Bernd (meiner Erinneruneg nach ) schon zweimal thematisiert - geääääähhhhnnnn,
C. Haben die Ammis das vor bald 40Jahren in der Praxis schon umgesetzt - nach einem AKW-Zwischenfall!!!
 

saxobernd

Aktives Mitglied
23.07.2020
538
Siemens beherrscht die HGÜ-Technik bereits. Die läuft über Transformatoren. Nur die Arbeitsfrequenz ist eine wesentlich höhere. Jeder Halbleiter kann heute geregelt einschalten. Die Sicherungen müssen nicht mehr flink sein.
Eine Trennung verschiedener Netze ist unvermeidbar. Das nennt man dezentrales Netz.

Die Notstromversorgung wird weiterhin auf Verbrennungsmaschinen fußen.
Ich denke dabei an mit Erd- oder Biogas betriebenen Dieselmotoren, die mit Dimethyläther gezündet werden.
Erst nach und nach werden auch diese von PV verdrängt.
Energieintensive Verbraucher wie Wasserboiler, Durchlauferhitzer, Wasserstofferzeuger auf Elektrolyseprinzip und diverse Industrieanwendungen können auch mit variabler Gleichstromspannung betrieben werden, ebenso Ladestationen.
Ich sehe keine Probleme für unsere solare Zukunft.
In den USA gibt es bereits die Vorschrift, dass starke Wärmegeräte wie Waschmaschinen mit Primäreenergie beheizt werden müssen, also Verbrennung. Sprich, zusätzlicher Warmwasseranschluss für Waschmaschinen. Die Netzspannung konnte so auf 120 Volt begrenzt werden. Bei uns nehmen Stromunfäle im Haushalt noch einen Spitzenplatz ein. Potentialfreie Kopplung samt hochempfindlicher Fehlerstommessung steckt noch in den Kinderschuhen. In unseren Elektroautos bereits verwirklicht.

Das HGÜ-Netz ist erst der Anfang.
Es trennt Netze.
 

saxobernd

Aktives Mitglied
23.07.2020
538
Damit es jedem klar wird: Die Kopplung der verschiedenen Netze erfolgt zukünftig nicht mehr über phasenstarre Transformatoren von 50 Hertz, sondern über PWM-gekoppelte Halbleiterelemente. Die HF-Frequenz der Umsetzer ist davon völlig unabhängig. Jedes Halbleiterelement kann geregelt ein- und ausschalten. Potentialtrennung überall.
 

Stefanseiner

Mitglied
29.10.2021
210
39
Saarland
mona-stefan.de
Woher kommt diese (irrationale) Angst vor einem Blackout?
[...]
So wird aus der Blackout-Angst ein Hemmschuh für die Energiewende.
Wenn man nur die falschen "Quellen" konsumiert geht das recht schnell. AFD, Querdenker und Co. und auch YT-Kanäle wie "Outdoor Chiemgau" spielen hier ja ganz gezielt mit Ängsten der Leute um zu polarisieren und leicht beeinflussbare Menschen gezielt zu lenken.

Das Ganze fliegt recht schnell als Desinformation auf, wenn man mal liest / hört, was renomierte Wissenschaftler zum Thema Blackout sagen wie z.B. Prof. Dr. Quaschning, der momentan wohl DIE Koryphäe im Bereich erneuerbare Energien in Deutschland ist.

Was er auch schon vor knapp 7 Jahren gut auf den Punkt gebracht hat: Wissenschaftler sind gefragt, nicht Untergangspropheten
 

saxobernd

Aktives Mitglied
23.07.2020
538
Wir haben in Deutschland ewa 50 Millionen PKWs, davon 15 Millionen Dieselfahrzeuge. Rüsten wir lediglich eine Million von diesen auf Elektroantrieb um und verwenden diese Motoren von durchschnittlich 50 kW Leistung als stationäre Notstromaggregate um, erhalten wir eine ultraschnelle Regelleistung von 50 GW.Damit kann überhaupt nichts mehr passieren, auch bei einem weiteren Bombenkrieg gegen Deutschland, geschweige denn durch Schwankungen der alternativen Energie. Rüsten wir alle vorhandenen KFZ um, wären dies sogar 2500 GW Regelleistung. Gasbetrieb wäre dann natürlich vorzuziehen, zumal wir im Winter deren Abwärme bei dezentraler Aufstellung nutzen würden, sowohl die Benzin, wie auch die Dieselmotoren.Jederzeit umschaltbar. Diesel mit Erdgasbetrieb und Dimethyläther-Zündstrahlzündung. Alles jederzeit umschaltbar auf Diesel oder Benzin, wo Erdgas nicht sofort ausreichend vorhanden ist. Natürlich alles mit NOx-Elimination duch Ammoniak.
Noch Fragen? Ich gehe mal von mehreren 1000 Jahren Haltbarkeit dieser Motorflotte aus.
Natürlich macht es keinerlei Probleme, diese Verbrennermotoren durch standardisierte Neubauten zu ersetzen.
Jeder Straßenzug erhält dann solch einen Generator mit Wärmeversorgung des Wärmenetzes. Wärmepumpen erzeugen weitere Reserven.
Mädels, dann wird es kalt in Deutschland und Ihr sehnt Euch wieder nach unseren heutigen Temperaturen und weniger Sonne!
Wäre natürlich lästig, wenn wir dann immer noch alles auf 50 Hertz synchronisieren müssten...
 

Stefanseiner

Mitglied
29.10.2021
210
39
Saarland
mona-stefan.de
Rüsten wir lediglich eine Million von diesen auf Elektroantrieb um...
Der springende Punkt, den die meisten wohl nicht auf dem Schirm haben werden: der Stromverbrauch, um selbst 10 Million E-Autos zu versorgen (aktuell haben wir 500.000 @ statista) ist im Vergleich zum Gesamtverbrauch in Deutschland so minimal, das juckt unsere Netze überhaupt nicht und geht faktisch im Grundrauschen unter.

Zur Spitzenbelastung sagen die Netzbetreiber selbst dazu:
Keine Angst vor dem Blackout: Die Netze von E.ON in Deutschland sind bereit für eine vollständige Umstellung auf Elektroautos. Zu diesem Fazit kommt unsere gemeinsame Studie mit der Unternehmensberatung Consentec.

Wir haben dafür verschiedene Szenarien durchgespielt. Das Ergebnis: Wenn im Jahr 2030 zehn Millionen Elektroautos unterwegs wären, dann würde im Stromnetz der Verbrauch um vier bis fünf Prozent zulegen. Das wäre für E.ON ohne Überlastung machbar, weil unsere Infrastruktur immer effizienter wird. Und selbst wenn es bis 2045 nur noch Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen gäbe, wären wir für diese komplette Elektrifizierung gerüstet.


Quelle: Sind die Stromnetze für Elektroautos überhaupt ausgelegt? @ Eon.de


Soviel zur Theorie, hier mal was aus der Praxis:
Das dt. Stromnetz hat eine vorgehaltene Leistung von 68,5 GW, um 1 Million E-Autos gleichzeitig zu laden benötigt man 350 GW. Diese Leistung muss minimum vorgehalten werden.

Zum Vergleich: Wir haben ca.
41 Millionen Haushalte in Deutschland . Wenn alle gleichzeitig den Herd einschalten brauchen wir ca. 451 GW.
Macht aber keiner.


Dass dieser Vergleich nicht hinkt sondern sehr nah an der Realität sieht man auch an einem Projekt der Netze BW. In der sogenannten E-Mobility Allee in Ostfildern bei Stuttgart testete der Netzbetreiber über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren, wie sich die E-Mobilität auf das Stromnetz auswirkt. Dafür wurden zehn Haushalte mit je einem Elektroauto und einer Wallbox ausgestattet. Alle Haushalte hingen am selben Hauptstromkabel. Das Ergebnis: Zwar wurden die meisten Elektroautos in den Abendstunden geladen, allerdings kam es nie zu lokalen Spitzenlasten, da in den gesamten eineinhalb Jahren maximal fünf der zehn Autos gleichzeitig geladen wurden. Einige Autos wurden sogar nur einmal pro Woche ans Netz angeschlossen.

Quelle: E-Mobility-Allee: Netzbelastung durch Elektroautos geringer als befürchtet @ T3n.de





Und zur Strommenge, wenn alle nur noch E-Auto fahren würden:
Dazu hat das Bundesumweltministerium bereits 2015 folgendes Szenario berechnet:

„Eine vollständig elektrifizierte deutsche Pkw-Flotte von 45 Millionen Fahrzeugen hätte einen Strombedarf von rund 90 Terawattstunden (TWh). Dies entspricht weniger als einem Sechstel der aktuellen Bruttostromerzeugung in Deutschland."

Der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien beträgt aktuell bereits rund ein Drittel*. Die 2015 erzeugte EE-Strommenge von 196 TWh ist also doppelt so hoch wie der Bedarf einer komplett elektrischen Fahrzeugflotte“.

Quelle: Pdf Download: Kurzinformation Elektromobilität bzgl. Strom- und Ressourcenbedarf @ Bundesministerium für Umwelt

*Anmerkung von mir: Stand 2021 liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamt-Strommix im Jahresdurchschnitt erstmals knapp über 50% und in Summe 247 TWh
Kreisdiagramm-Stromerzeugung-2020.jpg

Quelle: Nettostromerzeugung in Deutschland 2020: erneuerbare Energien erstmals über 50 Prozent @ Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
 
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Berlingo-98

Administrator
23.11.2004
3.728
91365 Reifenberg
... und immer wieder wird vergessen, was tatsächlich passiert, wenn alle Autos elektrisch fahren.

Dann wird zwar mehr Strom benötigt für die Autos,

aber weniger für die Raffinerien, Pipeline-Pumpen, Tankstellenpumpen usw..
Ja, auch die brauchen Strom. Im schlimmsten Fall genauso viel, wie die Elektroautos zum Fahren brauchen.


Je nach Standpunkt kann man auch sagen: im besten Fall.
Es könnte also durchaus sein, dass der Strombedarf sich gar nicht wesentlich erhöht.

Das Thema ist - auch in diesem Forum - mehrfach und ausgiebig diskutiert worden. Das ändert nix daran, dass es immer wieder vergessen wird. Wieso eigentlich, denn in der Politik wird immer von "Gegenrechnen" gesprochen.

Und nochwas: Öl müssen wir im Ausland kaufen und mühsam hertransportieren - mit vielen Risiken.
Strom können wir im Inland selber machen. Ich sogar zuhause. Mein Elektroauto erhöht den Strombedarf aus den öffentlichen Kraftwerken nicht. Das hat mein eigener Feldversuch über die letzen 20 Jahre ergeben.

Mit solarmobilen Grüßen, Roland
 

Stefanseiner

Mitglied
29.10.2021
210
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mona-stefan.de
aber weniger für die Raffinerien, Pipeline-Pumpen, Tankstellenpumpen usw..
Ja, auch die brauchen Strom. Im schlimmsten Fall genauso viel, wie die Elektroautos zum Fahren brauchen.


Je nach Standpunkt kann man auch sagen: im besten Fall.
das kann man sogar ganz prima gegenrechnen
Für die Produktion von Benzin und Diesel wird ebenfalls Strom benötigt, und zwar vom Bohrloch bis in den Tank etwa 42kWh / 6 Liter.

Während der typische Verpenner mit dieser Energiemenge 100km weit kommt reichen einem typischen Voll-Elektroauto die selbe Energiemenge für etwa 300km.

Quelle: Unfassbar: 42 kWh Energieaufwand für sechs Liter Diesel? (Kurzzusammenfassung, mit Verweis zum Originalartikel)

Angenommen es wären von heute auf morgen alle Verpenner-Autos weg und ausgetauscht gegen Elektroautos dann würden ohne weitere Zubauung von PV oder Windkraft schlagartig sogar genug grüner Strom frei, dass auch alle deutschen Haushalte auf Kohlestrom verzichten könnten.



Elektrifizierung 2

Bildquelle und Artikel dazu: How to Energiewende in 10 Jahren, Teil 1: Wo soll denn die ganze Energie herkommen?
 

Berlingo-98

Administrator
23.11.2004
3.728
91365 Reifenberg
Wir haben in Deutschland ewa 50 Millionen PKWs, davon 15 Millionen Dieselfahrzeuge. Rüsten wir lediglich eine Million von diesen auf Elektroantrieb um und verwenden diese Motoren von durchschnittlich 50 kW Leistung als stationäre Notstromaggregate um, erhalten wir eine ultraschnelle Regelleistung von 50 GW.
Verquerer Gedanke, mit Diesel Strom machen. Wo wir gerade vom Verbrennen weg wollen.
Na ja, wenns nur für ein paar Stunden Notstrom wäre.... Dafür aber zu hohe Anlagekosten.
Aber wenn die Wärme auch genutzt werden könnte....
Dann hätten wir eigentlich 15 Millionen BHKWs, die nicht nur Strom und Wärme, sondern auch Mobilität bieten. Dreifachnutzen sozusagen. Auch eine Sichtweise.

Erfinde doch mal einen guten kleinen mobilen Wärmespeicher. Dann könnten die vielen in der Gegend herumfahrenden Verbrenner einen Zusatznutzen für die Raumheizung erbringen. Ein einfacher 200l Wassertank auf 80 Grad aufgeheizt. Die Wärme würde dann zuhause zumindest fürs Brauchwasser reichen. Also erfinde oder entwickele die Komponenten: Speicher, Pumpen und so weiter, damit das auch für Normalnutzer handhabbar wird.

Also Warmwasserspeicher aufheizen auch während der Fahrt. Im Stand dann Strom und Warmwasser. Vielleicht doch gar nicht so schlecht. Anschlussbox so ähnlich wie auf Campingplätzen oder für Boote: Da ist ja auch Strom und Wasser mit Schnell- und Steckverbindungen anschließbar. Die Technik nennt sich dann V2HwWW. Vehicle to home Vehicle to home with warm water. Mit World Wide Web natürlich auch. Das haben ja heutzutage schon simple Steckdosen und Lampen.

Und dann noch kombinieren mit einem 300 Watt Solarmodul auf dem Fahrzeug für Schwachlastzeiten. Wird mehr gebraucht, springt die Verbrenner/Generatorkombination an.

Gibts teilweise übrigens fast fertig und halbwegs brauchbar schon zu kaufen. Mitsubishi Outlander kann einige der gewünschten Funktionen. Nur das mit dem Warmwasser müssen wir noch ergänzen. Wär doch ein Projekt für einen einfallsreichen Physiker.

Mit solarmobilen Grüßen, Roland
 

saxobernd

Aktives Mitglied
23.07.2020
538
In 100 kg Wasser, die ich im Auto mitschleppe, kann ich 0,5 kWh Wärmenergie speichern, im Werte von 3 Cent. Nein, das lohnt nicht.
Ein stationärer Verbrenner, das ist etwas ganz anderes. Der hat ein Schwungrad , da passt direkt ein Stromgenerator dran, abgestimmt auf 50 Hz. Bitte nur, so lange kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Da muss nichts mehr erfunden werden, das funktioniert. Tausende Jahre Lebensdauer, weil das Ding nur selten laufen muss. Wenn wir es nicht nutzen, landets auf dem Schrottplatz. Denn wir haben ja im Überfluss Sonnenenergie und Wasserstoff. Sonst hätten wie Annalena erst gar nict gewählt. Klar, so lange wir mit Erdgas heizen, nur über die vielen Verbrennungsmotoren, die wir ausgebaut haben.
Fahrende Badewannen hat es immer schon gegeben. Bei jedem Ampelhalt wird der Vordermann geduscht. da lernt man, wie dankbar die Vordermänner doch sind. Das Cityel wurde übrigens als Plastikbadewanne konzipiert.Irgendwann hat jemand den Stöpsel gezogen.

Wenn die Gewinspanne hoch ist, werden die Öltanker mit Vollgas gefahren und benötigen tatsächlich viel Öl zum Eigentransport. Normal hält sich der Verbrauch sehr in Grenzen. Nur Wasserstoff ist sehr leicht und einfach zu transportieren. Die Schiffe brauchen fast nichts.
 
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R.M

Bekanntes Mitglied
24.12.2006
10.244
na ich hab schon einen Notstromgenerator und beriebsstoff für 4 Wochen drum sehe ich dem gelassen entgegen
 

Emil

Bekanntes Mitglied
04.04.2006
2.665
aber weniger für die Raffinerien, Pipeline-Pumpen, Tankstellenpumpen usw..
Ja, auch die brauchen Strom. Im schlimmsten Fall genauso viel, wie die Elektroautos zum Fahren brauchen.
Da bin ich immer noch anderer Meinung.

Warum rechnet wohl die Koalition richtigerweise mit 680-750 TWh Bruttostromverbrauch im Jahr 2030? :rolleyes:

In 2020 lag der Bruttostromverbrauch bei rund 545 TWh.

Noch eine Studie im Auftrag von Agora mit der Entwicklung des Bruttostromverbrauchs:

bruttostromverbrauch-jpg.10270


Bei der Betrachtung des Energieverbrauches für die Bereitstellung von fossiler Energie wird immer Primärenergie mit Stromverbrauch verwechselt.

Weder wird für die Förderung, den Transport, noch die Raffinerien in nenneswertem Umfang Strom eingesetzt, sondern fossile Energie. Davon ist dann auch noch ein großer Anteil außerhalb D und EU.

Auch sollte man beim durchschnittlichen Verbrauch von EVs nicht den WLTP Verbrauch nehmen, sondern den realen Verbrauch ab Steckdose über das Jahr gesehen. Dieser liegt wesentlich höher, insbesondere weil auch solche Komfortfeatures, wie Vorheizen/Vorklimatisierung verwendet werden. Ich würde da ab Steckdose über das Jahr gesehen eher mit 25 kWh/100km statt 20 kWh/100 km rechnen.

Es ist machbar, aber man sollte das Ganze nicht von vorne herein schön rechnen.

Aber das Problem ist nicht die Energiemenge über das Jahr gesehen, sondern die Versorgung während mehrwöchigen Dunkelflauten. Hier muss im Prinzip fast jedes vom Netz gehende fossile Kraftwerk durch gesicherte Kapazität ersetzt werden. Bei PV und Wind an Land ist der Kapazitätsfaktor nur sehr klein. Einzig Offshore Windkraftwerke können einen signifikanten Anteil liefern. Der Großteil muss aber von GUD Kraftwerken bereitgestellt werden. Und hier sehe ich nicht wie man bis 2030 100+ GUD Kraftwerke mit je 400 MW Leistung bauen will. Ein Großteil davon wird in 2030 deutlich weniger als 1000 Volllaststunden pro Jahr haben, meist weniger als 100 h. Dies wird sehr teuer werden.

Hier eine Studie über die Entwicklung Stromgestehungskosten der einzelnen Energieerzeuger bei der Dekarbonisierung.

Diese ist allerdings noch vor dem Regierungswechsel entstanden. Jetzt sind die Ziele noch viel ambitionierter, so dass die Werte aus 2040 wahrscheinlich für 2030 ganz gut passen.

Ergänzung:
Handelsblatt: Stromverbrauch wird zunehmen
 
Zuletzt bearbeitet:

Stefanseiner

Mitglied
29.10.2021
210
39
Saarland
mona-stefan.de
Du hast mit vielem Recht, danke auch für die Links und Belege.
Der springende Punkt bei der ganzen Klima- und EE Diskussion ist eben: das ist ein komplexes Thema und daher muss man das stark differenziert betrachten und kann es nicht pauschalisiert / vereinfacht zusammenfassen auf einen Halbsatz mit Niveau einer Bildzeitungs-Überschrift á la "Energiewende erhöht Blackoutgefahr" oder ähnlich.

Die Strommengen, über die wir bisher gesprochen hatten bezogen sich ja rein auf den "Mehrverbrauch" durch BEVs da mit das häufigste Argument des Blackouts genau dieser Mehrverbrauch sein soll.
Das ist schnell entkräftet, wenn man die Verbräuche vergleicht wie oben bereits geschehen.

Ein anderes Thema ist das, was Du angesprochen hast, der komplette Umstieg auf erneuerbare Energien und damit faktisch die Abkehr von Kohlestrom und Atomstrom. Genau dann reden wir über den Gesamt-Brutto-Energiebedarf und der, und auch nur der, ist tatsächlich aktuell noch ein Hürde da der Anteil "Mobilität" im Gesamt-Energiebedarf sehr sehr gering ist. Aber wohl machbar, wenn man politisch auch will und den Umstieg entsprechend forciert - was wir gerade nicht tun.

Ein, wie ich finde, sehr sehr gutes Video zu genau diesem Thema, wie das funktionieren kann, wissenschaftlich fundiert, ohne träumerische "Grünen-Spinnereien" ist das Interview mit Prof. Quaschning.
Wer es noch nicht kennt - schaut euch das Video an, auch wenn es "lange" 45 Minuten dauert, es wird alles aktuell wichtige zum Thema Energiewende und drumherum angesprochen.

"Kohleausstieg - Energiewende - Erneuerbare Energien - Klimapolitik"


Kurzum zusammengefasst was ich für mich persönlich aus dem Interview rausgezogen habe:
1.) erneuerbare Energien geht in Deutschland nur mit Windkraft + PV, alles andere (Biomasse, Pumpspeicher etc.) bringt in der Summe zu wenig und stellt nur eine Ergänzung dar

2.) PV und Windkraft müssten wieder massiv zugebaut werden, ähnlich hoch wie wir das schon 2012 hatten, bevor die Politik die Solarbranche in Deutschland gezielt zerstört hat
Photovoltaik-Zubau-Deutschland-1990-bis-Juni-2021-1080x675.png
Bildquelle und Artikel dazu: 30 Jahre Photovoltaikausbau – ein Spiegel politischer Lust und Unlust für Erneuerbare Energien @ solar-professionell.de

3.) Kohlekraftwerke + Atommeiler verhindern den Zubau und damit die Energiewende, da deren Leistung nicht geregelt werden kann und sie so auch nicht PV und Windkraft ergänzen können

4.) Um Winterflauten abzudecken brauchen wir saissonale Speicher. Die haben wir sogar schon -> bestehende Erdgasspeicher = ausreichend, um ganz Deutschland 3 Monate komplett mit Energie zu versorgen

5.) Was fehlt Nr. 1: Elektrolyseeinrichtungen, die den Stromüberschuss im Sommer in Wasserstoff und / oder Methangas umwandeln zur Zwischenspeicherung in bestehende Ersgasspeicher

6.) Was fehlt Nr. 2: mehr Gaskraftwerke, die in ihrer Leistung einfacher regelbar sind und das Methangas wieder zu Strom machen

7.) beides kann innerhalb von 8 Jahren = bis 2030 zugebaut werden - wenn man denn möchte


Wir brauchen also keine technischen Neuerungen oder ausgefallene Ressourcen aus dem Ausland, um die Energiewende für alle Bereiche (auch Industrie und Wärme) hin zu bekommen, wir brauchen lediglich den politischen Willen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Berlingo-98

Administrator
23.11.2004
3.728
91365 Reifenberg
In 100 kg Wasser, die ich im Auto mitschleppe, kann ich 0,5 kWh Wärmenergie speichern, im Werte von 3 Cent. Nein, das lohnt nicht.
... nu hat wieder mal hat der Ingenieur und Praktiker nachgerechnet (weil mir der obige Wert nicht geheuer vorkam):
100 kg Wasser von 20 auf 80 Grad erhitzen während der täglichen Autofahrten mit der Abwärme des Verbrenners. Wäre das möglich? Ja, man müßte 6,96 kWh aufwenden. Man hat also knapp 7 kWh gespeichert. Oder - wie von mir vorgeschlagen - 200 Liter Wasser unterwegs so nebenbei und ohne Zusatzkosten für Energie erwärmen, und es wären knapp 14 kWh gespeichert in Form von Warmwasser.

Find ich gut. 200 Liter Brauchwasser könnten für meinen 2-Personen Haushalt reichen. Aber dafür mindestens 80 bis 120 km täglich fahren? Oder mehr, weil man ja nur einen Teil der Verlustwärme ins Waser bringt? Na ja, muss jeder für sich überdenken.

Und dann noch Plausibilitätskontrolle, ob die Größenordnung meiner Annahmen und Nachrechnungen stimmt: Meine recht neue Panasonic Brauchwasser-Wärmepumpe liefert erwärmt etwas weniger an Wasser und auch nur auf 50 Grad. Täglich. Gemesserner Stromverbrauch liegt bei rund 1,5 kWh täglich. Mal angenommenem COP von 4 würden das rund 6 kWh Energie ins Wasser geschoben bedeuten. Passt also zu den obigen Werten.

Die Erkenntnis daraus: Ich werde diese "Sektorenkoppelung", also das Einbeziehen des Autos in die Brauchwasserversorgung des Haus, nicht mehr verwirklichen, auch wenn es energetisch vernünftig wäre. Hauptsächlich deshalb nicht, weil das System doch zu schwer und kompliziert und teuer wird, und auch, weil meine Wärmepumpe finanziell zu günstig auch noch meist mit Solarüberschussstrom gespeist wird.

Bin nun mal Elektriker und kein Klempner. Ich bleibe hinsichtlich der Sektorenkoppelung bei der Elektro-Schiene. Wechsel- oder Gleichstrom ist mir gleich. Ich wechsele je nach Anforderungen. Für eine 12V DC Schiene gibts eine Menge Anwendungen gerade auch im Hinblick auf Versorgungssicherheit. Ich könnte dann auch telefonieren und hätte Internet trotz Stromausfall des öffentlichen Netzes.

Mit solarmobilen Grüßen, Roland
 

Berlingo-98

Administrator
23.11.2004
3.728
91365 Reifenberg
Agora? Was habe ich da gerade gelesen?


Ja, es stimmt wohl, was Du auch geschrieben hast: "..Jetzt sind die Ziele noch viel ambitionierter.

Mit solarmobilen Grüßen, Roland
 

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