Kroatien, Fahrt von Zadar nach Dubrovnik und zurück.

Ralf Wagner

Administrator
15.03.2007
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Filderstadt
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#1
Kroatien wird nach Süden hin immer schöner, hatte ich noch im Kopf. Es sieht mehr nach Balkan und Pirateninseln aus. Einige Gegenden erinnern mich an Lummerland (aus Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer). In Kindertagen war ich mit meinen Eltern oft dort, jetzt war ich mit der eigenen Familie unterwegs.

Bereits 2015 waren wir das erste Mal mit dem Tesla in Kroatien unterwegs, das war noch etwas abenteuerlicher, da es zu der Zeit keine Tesla Supercharger (SUC) gab und praktisch keine öffentliche Ladeinfrastruktur.

2018 hat sich einiges geändert, Tesla hat SUC die Küste hinunter gebaut und es gibt einiges an öffentliche Ladeinfrastruktur, sogar einheimische Elektrofahrzeuge sichtet man von Zeit zu Zeit.

Planung

Es braucht noch etwas an Planung und das Navi schlug mir Anfangs eine „Zwei Stopp Strategie“ vor, d.h. nach dem Start in der Nähe von Zadar, kurz laden in Split und laden weiter südlich in Vrgovac, kurz vor der Grenze zu Bosnien-Herzegowina um dann die letzten 2 ½ Stunden durchzufahren bis Dubrovnik. Das Navi rechnet die Energie aber nur auf „ankommen“. Es war mir unklar ob ich in Dubrovnik laden kann und ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich sicher laden kann. Meine Strategie war am letzten SUC so hoch zu laden dass ich bis Dubrovnik und zurück fahren kann.

Hinweg

An unserem Hotel in Posedarje (Nähe Zadar) haben wir eine 11 kW Lademöglichkeit (CEE rot 16A). Kurz vor dem Frühstück habe ich das Fahrzeug von 90 auf 100% Ladestand hochgesetzt. Mit unserem Start war schnell klar, dass wir den SUC Split auslassen konnten und direkt zum SUC Vrgovac durchfahren konnten. Die Autobahn die Küste hinunter ist perfekt ausgebaut und kaum befahren, allerdings Mautpflichtig.

Den ersten Zwangsstopp hatten wir nicht wegen dem Auto, sondern wegen einer notwendigen Pipi-Pause. Es zeigt sich immer wieder, dass die Pausenfrequenz der Familie höher ist, als die notwendigen Ladepausen. Ich gebe mir erst gar nicht mehr Mühe und fahre möglichst lange Etappen, sondern plane 2 h Etappen +/-.

Der SUC Vrgovac, liegt etwas abseits der Autobahn und man muss diese verlassen und ein kleines Stück fahren. Das auschecken beim Maut und einige km Fahrtstrecke kosten etwas Zeit und es wird klar, dass man Standorte klassifizieren kann, z.B. Autobahnnähe, Ladeweile.
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Eine Zwangspause von gut einer halben Stunde war angesagt. Es sah nach einem netten Örtchen aus und wir machten einen kleinen Spaziergang. Zum Schluss gab es noch einen Kaffee gegenüber des SUC, der dort mit dem Glas Wasser, weniger als einen Euro kostete. So kann man Ladepausen aushalten. Letztlich habe ich mit 40 Minuten deutlich mehr geladen als geplant, ein hoher Ladestand schont jedoch meine Nerven, insbesondere wenn man über den Balkan fährt.

Wir hatten durch die Autobahn bereits einen Großteil der Strecke hinter uns, leider war diese in Ploce zu Ende. Ab jetzt ging es die Küstenstrasse, die 8, weiter nach Süden. Auf der Küstenstrasse braucht man Geduld, ein Schnitt höher 60 km/h ist kaum machbar, insbesondere wenn viel Verkehr ist.

Der Autopilot (AP) funktioniert an dieser Stelle mäßig gut. Er liest alle Geschwindkeitsschilder mit und hält sich auch dran. Die Kroaten verteilen mittlerweile fleißig Limits, oft vor jeder stärkeren Kurve. Der Tesla bremst dann auch brav, die Einheimischen fahren einem schnell davon. Da auch gerne Kurven geschnitten werden, ist ein wachsames Auge notwendig.

Bosnien Herzogewina durchquert man ein kurzes Stück, die Grenzkontrollen unkompliziert, dann geht es wieder weiter in Kroatien im südlichen Teil. Geplant ist die Autobahn bis Dubrovnik weiter zu führen. Ein Chinesisches Konsortium hat den Auftrag dazu, bezahlt zu 85% von der EU und zu 15% von Kroatien. Mit einigen neuen Brücken und Tunneln wird man in drei Stunden von Zadar nach Dubrovnik fahren können, jetzt haben wir mit Ladezeit 5h gebraucht.

Dubrovnik

Mit einem kurzen Stau wurden wir empfangen, die Parkhausadresse mit Ladestation die ich mir notiert hatte, schien es nicht zu geben. Wir folgten deshalb einer anderen Parkhausbeschilderung zu einem City Parkhaus. Dort gab es oh Überraschung Tesla Destination Charging, 1 x nur für Tesla, 1 x offen für alle Elektrofahrzeuge. Wenn ich das gewusst hätte…., wir hätten die Ladezeit am SUC deutlich minimieren können. Wir haben natürlich angesteckt, damit wird der Rückweg schneller. Aber die Preise in Dubrovnik, 40 Kuna pro Stunden, 5,6€/h geben einen Vorgeschmack auf die Preise in der Stadt.
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Mein letzter Aufenthalt in Dubrovnik war vor dem Balkankrieg. 60% der Stadt wurden im Krieg 1991 zerstört, das allermeiste wiederaufgebaut. Man sieht an vielen Stellen neue Dachziegel und es wuselt in der Stadt. Touristen aus aller Herren Länder laufen durch die engen Gassen. Die Stadt gleicht einem einzigen Restaurant. Dank Trip Advisor fanden wir ein überraschend gutes Restaurant, die Preise liegen deutlich über den restlichen Preisen in Kroatien. Das gesamte Preisniveau hat in den letzten Jahren ca. um den Faktor 1,5 angezogen, so günstig wie früher ist Kroatien nicht mehr.
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Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg über die Stadtmauer, auf der man um die ganze Altstadt laufen kann. Es gibt viele Einblicke in die Stadt, umgerechnet 20€ Eintritt sind aber auch kein Schnäppchen.

Es gibt viel mehr Shops, von den bekannten Modemarken, Discounter wie Lidl und Kaufland machen sich breit, Bauhaus, Möbelgeschäfte XXL, verdrängen einheimische Ketten. Das ist kaum im Sinne der Kroaten, wohl aber nicht aufzuhalten.

Dubrovnik hat schon noch etwas von seinem Charme, mit den großen Mauern, der Festung und den Kirchen. Die Belastung durch den Tourismus ist aber schon sehr hoch geworden.

Heimfahrt

Im Spätnachmittag hatten wir dann auch genug und ich starte remote per App die Klimaanlage, die von 30 auf 21° runter kühlte. Wir konnten in ein kühles und voll geladenes E-Auto steigen und uns auf den Heimweg machen.

Eindrucksvoll ist die Fahrt im Neretva Delta, in dem durch gute Bewässerungssysteme auf 100 km² Obst, Gemüse und sogar Reis angebaut wird.

Dank der Zuckelei auf den kleinen Straßen braucht der Tesla nicht viel, trotz der Klimaanlage kommt er zeitweise mit 110 – 140 Wh/km aus. Das Navi meint wir könnten mit 5% Rest bis nach Zadar durchfahren, trotz der Autobahn für den Großteil der Strecke. Keiner hat Lust so lange zu sitzen und so beschließen wir am SUC Split einen 15 Minuten Stopp einzulegen. SUC Split liegt auch neben der Autobahn an einem Hotel.

Kurz vor dem Hotel ein Vorfahrtunfall, mit massiven Fahrzeugschäden und das innerorts. Es ist gefühlt nicht besser geworden in Kroatien, die Einheimischen fahren „wie die Henker“, auch öfters mal sehr dicht auf.

Dank forcierter Fahrweise auf der Autobahn in Richtung SUC konnte ich 3 Minuten rausfahren um festzustellen, dass ich jetzt 5 Minuten länger laden muss. Das lässt sich so nicht verallgemeinern, dass langsamer fahren schneller zum Ziel führt, aber es ist oft so. Das Navi rechnet vorsichtig und mit 20% Restkapazität. Wir haben dann beschlossen den Heimat SUC in Zadar interessehalber mal anzusehen. Da unser Hotel mit Lademöglichkeit in der Nähe ist, bräuchten wir ihn nicht - aber so neugierig sind manche E-Fahrer.
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Der Rückweg ging jetzt eine ganze Stunde schneller als der Hinweg. Der SUC Zadar liegt an einer Tankstelle ebenfalls abseits der Autobahn und ist einigermaßen blöd anzufahren. So wie das Navi führt muss man „sündigen“ bei der Zufahrt. Evtl. passt die Karte hier nicht zu den tatsächlichen Gegebenheiten. Die WC Anlagen sind sauber und kostenfrei. Nach dem Ministop fahren wir weiter nach Zadar zum Einkaufen, beim Kaufland gibt’s einen Triple Charger, der uns über den Chademo Adapter mit 45 kW Ladeleistung während unseres Einkaufs versorgt.

Der Tag war lang, das Auto steckt die Tour locker weg, wir brauchen heute einen Badetag zur Erholung.

Ralf
 
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wchriss

Aktives Mitglied
30.12.2010
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Egweil
#2
Ah jetzt ist´s so weit ,
hast ja schon angekündigt das es dieses Jahr nach Kroatien geht. Immer wieder schön deine Reiseberichte zu lesen. Danke.
Ja Dubrovnik ist mit ca. 1 Mio Besucher im Jahr schon sehr überlaufen.
Gruß
Christian
 

Buggi

Aktives Mitglied
31.08.2007
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#3
Danke für den schönen Bericht, wir sind ja auch gerade dort, sind aber nur bis Split gekommen, und das Dank SuC auch problemlos. In unserem Appartement hier laden wir mit 13A Schuko und Kabel aus dem 1. Stock aus dem Fenster, geht aber auch 😊