Ist das CityEl alltagstauglich?

Konrad S.

Mitglied
07.09.2005
177
Hallo,

zugegebenermaßen ist die Themen-Überschrift etwas provozierend, aber genau genommen trifft es den Kern meiner Frage.

Ich bin momentan am überlegen, meinen Zweitwagen gegen ein CityEl zu tauschen. Zu diesem Zweck habe ich die ganze letzte Woche ein CityEl getestet, das mit einem Alter von ca. 1,5 Jahren mit FactFour-Antrieb und mit relativ neuen Vlies-Akkus auf dem - so meine ich zumindest - aktuellen Stand der Technik ist.

Zunächst meine Erwartungen an das Fahrzeug: es soll mich möglichst das ganze Jahr über zuverlässig und trocken ins Büro und zurück bringen, was eine tägliche Fahrtstrecke von ca. 25 km bedeutet. Neben der Ersparnis an Benzin, Steuer und Versicherung erwarte ich ebenfalls niedrige Instandhaltungskosten, sprich möglichst wenig Werkstattbesuche und auch möglichst wenig eigenen Bastelaufwand.

Meine Erfahrungen mit dem CityEl im Laufe der letzten Woche:

1. Bei einer Fahrleistung von über 180 km bin ich jedes Mal dort hingekommen, wo ich hinwollte, inklusive der Heimfahrt danach. Auch der "Schlussanstieg" kurz vor meinem Haus (durchschnittlich ca. 10% Steigung) konnte immer bewältigt werden. Allerdings gilt diese Aussage für die momentanen Temperaturen, die so zwischen 10°C und 20°C lagen. Die Frage der Wintertauglichkeit hatte ich bereits in einem früheren Thema mit Euch diskutiert.

2. Der Fahrspaß war immens - zumal es sich um einen Targa handelte. Wie mag es erst sein, wenn man mit dem Teil im Sommer unterwegs ist... Ebenfalls sehr positiv war das extrem entspannte Fahren (auf Strecken mit wenig Auto-Verkehr).

3. Am letzten Freitag stand das El ca. 5 Stunden im Dauerregen. Als ich nach Hause fahren wollte, stellte ich fest, dass das Lederdach innen regelrecht feucht war. Offensichtlich drückt das Wasser nach gewisser Zeit durch das Dach durch. Zusätzlich stellte ich Wasser innen an der Frontscheibe fest, was auf zwei Undichtigkeiten an den unteren Ecken der Fensterdichtung zurückzuführen war.

4. Bei eingelegtem Rückwärtsgang und Blinker links blinkte der Blinker abwechselnd mit dem Rückfahrlicht, wobei der linke Blinker deutlich dunkler als der rechte Blinker war.

5. Der Blinker vorne links fiel bei näherer Betrachtung aus der Karosserie heraus und hing nur noch am Kabel fest. Die Befestigung mittels der Metallöse war wohl nicht richtig festgemacht. In meiner Not habe ich den Blinker kurzerhand festgetaped, um ihn nicht unterwegs irgendwo zu verlieren.

6. Die Bedienung der Armaturenhebel hinterließen keinen richtig guten Eindruck bei mir. Ich hatte immer Angst, etwas abzubrechen.....

Bitte versteht mich nicht falsch: ich möchte hier keinesfalls die einzelnen von mir geschilderten Probleme diskutieren. Mir geht es um den Gesamteindruck und ich würde Euch (langjährige) EL-Driver gerne um Eure Meinung bitten.

Wenn ich berücksichtige, dass ein neues El fast soviel wie ein neuer Kleinwagen kostet, darf ich dann davon ausgehen, dass mir das El für 10 - 15 Jahre gute Dienste leistet, ohne dass ich ständig selbst etwas reparieren muss oder in die Werkstatt muss? Ist die Qualität der Komponenten und ihre Verarbeitung im Fahrzeug hinreichend gut und dauerhaft für einen jahrelangen Betrieb?

Ich musss sagen, nach der Woche Testbetrieb bin ich extrem hin- und hergerissen: das Konzept des El mit dem umweltfreundlichen Elektroantrieb, der geringen Größe, der einfachen Technik und den geringen Betriebskosten spricht mich an und würde meinen grundsätzlichen Transport-Anforderungen genügen. Andererseits war ich schon überrascht von den kleinen technischen Mängeln, die ich im Alltagsbetrieb an einem doch recht neuen Fahrzeug festgestellt habe.

Muss man als El-Besitzer allzeit bereit zum Basteln sein, und sind meine Erwartungen ("minimale Kosten, maximaler Nutzen") vielleicht einfach zu groß? Oder hatte ich mit diesem speziellen Fahrzeug einfach nur Pech? Schliesslich wäre das El für mich kein reines Spaß-Fahrzeug, das man nur manchmal aus der Garage holt, sondern ich wäre täglich darauf angewiesen.

Eure Erfahrungen und Meinungen wären sehr hilfreich für mich. Dafür schonmal im Voraus herzlichen Dank!

Gruss

- Konrad -
 
K

Karl

Guest
Hallo Konrad,

mein el ist 15 Jahre alt, hat ca. 40.000 km drauf (leider in den letzten Jahren kaum gefahren), ich habe es nie bereut.
Aber ohne eigenes Engagement wird es sicher nicht vernünftig gehen, es ist aber nicht falsch sich wieder in die Niederungen der einfachen Technik zu begeben und daraus zu lernen- bedenke, das Konzept ist über 20 Jahre alt, die Technik aber auch entsprechend robust!
Das el fährt mit allen Batterien ( sinnvoll natürlich mit Solar oder Wind aufgeladen)! Ich persönlich halte nicht viel von Kettenantrieben, ich halte moderne Zahnriemen ( Rippenriemen sind auch nicht optimal) für gut, aber darüber kann man trefflich streiten.
Wirtschaftlich wird es bei Eigenwartung eher als bei Fremdwartung !
Sonnenelektrische Grüße

Karl


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Daniel

Neues Mitglied
19.12.2013
2
Hallo Konrad,

habe nun seit November letztes Jahr ein El von der Citycom. Scheibenläufer Fact Four, FUN mit 48V Anrieb also 4 Batterien, 63 KM/h Version. Am Armaturenbrett habe ich noch nichts abgebrochen - ist denke ich schon stabil zumindest stabiler als es aussieht. Bin damit auch den ganzen Winter durchgefahren auch bei Schnee und Eis.

Meine Erfahrung:

Als nicht El kenner und nicht Techniker musste ich schon einige Male Kontakt mit AUB aufnehmen.

1. Beim Kauf hatte mein El ca. 8000 KM drauf - im November/Dezember war es bereits kalt und ich bin einige Male liegengeblieben, da ich hin und zurück 50 KM zu fahren habe und das 6x pro Woche. Dann habe ich eine Batterieheizung von Citycom nachgerüstet - dann ging es besser. Als ich dann noch bei meinem Arbeitgeber um nachladung bat und somit meine Fahrstrecke auf 25 KM bis zur nächsten Ladung reduzierte lief es bis April diesen Jahres eigentlich ganz gut - klar ein bisschen Kette ölen und nachstellen - aber ansonsten gings.

2. Im April hatte ich dann die Möglichkeit bei Citycom an einem Selbstbaukurs teilzunehmen und bekam so einigen einblick in das Bastelverhalten. Da habe ich dann auch die Batterien getauscht weil ich es gerade noch so schaffte die 25 KM zu bewältigen.

3. Im Mai hatte ich dann einen kleinen Unfall mit einem Betonmischer - das Fahrzeug wurde von dem Mischer auf den Gehweg gedrückt, wobei das vorderrad abgebrochen ist - ansonsten ist nix passiert - der Schaden wurde von der Citycom schnell und günstig repariert. Dabei wurde auch eine festhängende Trommelbremse an der Hinterachse mit ausgetauscht.

Dann lief das El bis Juli ganz gut - ich fahre übrigens meistens vollgas über die kaum befahrene Landstraße mit der 63 KmH version und überlade das EL eigentlich bereits wenn ich selbst einsteige durch mein übbiges Gewicht.

Ende Juli bekam ich dann wieder Probleme mit der Kette die immer wieder absprang, da ich schon am Anschlag des Kettenspanners war bestellte ich eine neue - nur leider zu spät. Die gelängte Kette hatte die Ritzel bereits stark verschlissen und auch die neue Kette die 2 Tage später per Post kam konnte nicht mehr helfen. Also neue Ritzel bestellt, wobei ich hier zum abziehen des Ritzel am Motor die Hilfe einer örtlichen Autowerkstatt benötigte.

Dann wieder viel freude am fahren - den ganzen Sommer durch. Mittlererweile habe ich 17.000 KM drauf - also ca. 9000 selbst gefahren. Bis letzte Woche plötzlich ein ruckeln zu spüren war, die Spannungsanzeige schwankte als würde das el mal Strom bekommen und mal nicht. Plötzlich stillstand und verschmorter Geruch. Ich dachte schon an einen Motorschaden.

Das El wurde von der Citycom abgeholt. Gott sei dank nur Kohlen verschlissen, diese werden aber nicht selbst von der Citycom getauscht - deshalb bekam ich kulanterweise einen Austauschmotor. 2 Tage später hatte ich es wieder und kann nun wieder einwandfrei fahren.

Fazit:

Für meine Erfahrungen muss ich sagen, dass es auf jeden Fall einiges am El selbst zu Basteln gibt. Auf der anderen Seite ist das EL sehr einfach aufgebaut und man kann nach einem solchen Selbstbaukurs schon sehr viel selbst machen und auch richtig Geld sparen. Also sogar ich als Technischer Volltrotel komme mit den meisten kleinigkeiten zurecht - hatte sogar mal einen Handbremszug selbst gewechselt. Trotz meiner Probleme mit dem El kann ich es jedem nur empfehlen ein solches Fahrzeug zu fahren - man darf nur nicht den Fehler machen es mit einem Auto zu vergleichen sondern eher mit einem Mofa oder einem Roller mit Dach. Ich hatte übrigens auch Autos mit denen ich mehr Probleme hatte als mit dem EL und da musste ich schon immer gleich in die Werkstatt und da kommt man unter einigen hundert Euro nicht raus.

Gruß Daniel
 
C

Carlo

Guest
Hallo Konrad,

als Berufsschrauber habe ich täglich mit Autos zu tun.Qualitätsmässig sind meiner Meinung diverse moderne Wagen viel schlimmer als das El.Deine Angst etwas abzubrechen kann ich abschwächen.Die Blinkerhebel/Wischerschalterkonstruktion stammt aus einem Fiat,die Schlussleuchten auch.Und da hält´s ohne kaputt zu gehen.

Vor etwa 1,5 Jahren habe ich für einen Freund ein El vor der Verschrottung gerettet(Kabelstrang marode,wurde instandgesetzt.Akkukasten erneuert,Fahrregler neu,usw...war ne Menge Arbeit),und für ihn als Billigmobil fertig gemacht.Seitdem hat er über 10000km damit runter-ohne Panne.Klar,ein paar kleine Reparaturen gab es-ein Kabelbruch eines Motorkabels,welches damals wegen Zeitmangel nicht mit gewechselt wurde-und ein defekter Temperaturfühler,der leider die Akkus schädigte.Aber sonst-Friede Freude Eierkuchen!Und für mich mache ich einen ganz abschreckenden El fertig.Ich hoffe mal einen der ältesten in D.Und einen Serie1 für den Alltag.Aber beides dauert noch länger wegen Teileknappheit...

Meine Empfehlung:vielleicht erstmal leasen?Oder länger mieten,um dann zu sehen ob man zufrieden ist.

Sonnige Grüsse Carlo
 
W

wotan

Guest
Hallo Frank
>Ein weiterer Grund für mich noch zu warten ist außerdem noch die geringe Leistung der heutigen Batterien. Da hoffe ich, daß sich in den nächsten 4-5 Jahren noch etwas tut so daß man mit einer Ladung 100-150 km ohne Probleme schafft.<
In der Hoffnung vegetierte ich schon seit 14 Jahren. Den vorläufigen Frieden habe ich bei stinknormalen NICADs gefunden.
wotan
 
F

Frank Kwirandt

Guest
Hallo Wotan!
Für die nächsten 1-2 Jahre haben aber einige Akkuhersteller entsprechendes angekündigt. Die Frage ist, ob die versprochenen Akkus auch das halten werden, was die Hersteller schon heute versprechen.
-Da scheint ja CityCom schon ziemlich auf die Nase gefallen sein. :)

p.s. Habe es mir nicht nehmen lassen, und bin heute auf der Messe eltefa für 1,5 Stunden am bsm-Stand gewesen, um mir den twike mal genauer anzuschauen.
Das Konzept scheint mir ausgereifter-, das Akku-Lademanagement intelligenter zu sein als beim CityEl, von der Geschwindigkeit und dem zweiten Sitzplatz ganz zu schweigen. ...wenn nur der Preis nicht währe. :-/
Na ja, ich habe ja noch ein paar Jahre zeit, es drängt mich ja nichts.

Gruß Frank,
der heute leider noch arbeiten muß. :-(((
 

Berlingo-98

Administrator
23.11.2004
3.437
91365 Reifenberg
Hallo Frank,
schade, dass wir uns nicht getroffen haben.
Hätte Dich gerne kennengelernt.

Gruss, Roland, bsm
immer noch auf der eltefa, und jetzt gleich am Abbauen des bsm Standes.
 

Stüpfnick

Aktives Mitglied
23.09.2005
431
Frank Kwirandt schrieb:

Und durch die wenigen km ( ca. 75 km/Woche) ist der
Spareffekt durch die günstigeren Energiekosten auch nicht so
doll.

......

Da hoffe ich,
daß sich in den nächsten 4-5 Jahren noch etwas tut so daß man
mit einer Ladung 100-150 km ohne Probleme schafft.
Also irgendwie verstehe ich den Sinn dahinter nicht ganz. Wenn du nur 75 km pro Woche fährst, wozu dann 150 km pro Ladung? Für so große Strecken nimmt man doch dann einfach den Erstwagen, oder?? *verwirrt sei*

In Sachen Lebensdauer gibt es mit den NiCd am wenigsten Probleme, da sind locker 10+ Jahre drin, und das bei ca. 60-70 km (normal) bzw. 100 km (Fact Four) - Bei 75 km pro Woche verstehe ich die Anforderung nach einer größeren Reichweite nicht...

 
F

Frank Kwirandt

Guest
Hallo Roland!

Habe mich auch eigentlich nur mit dem netten Herrn ??? (aus Köln?) von twike unterhalten und die offenen Fragen geklärt.
Vielleicht hast du mich ja gesehen, als ich zwischen 09:15 und 10:45 Uhr etliche Bilder noch vom Twike gemacht habe (und ein paar vom CityEl).
Ich habe mich deshalb nicht direkt beim bsm-Stand aufgehalten, weil mich die anderen Themen nicht so sehr interessieren. Elektroroller will meine Frau nicht, weil die zu wenig Knautschzone haben. :)

Muß auch noch bis 18:00 Uhr arbeiten. :-(
Guten Abbau, und gute Heimreise

Gruß Frank
 
F

Frank Kwirandt

Guest
Hallo Stefan!

Habe mich vielleicht unklar ausgedrückt.
Für meinen täglichen Gebrauch reicht natürlich die Reichweite der aktuellen Elektrowagen. -Will aber das Fahrzeug nicht jeden Tag (sondern möglichst nur einmal pro Woche) an die Steckdose hängen.

Von meinem inneren Gefühl her wäre mein innerer gefühlsmäßiger Widerstand wesentlich geringer, wenn ich wüßte, daß ich mit so einem Teil auch 100 bis 150 km ohne zu tanken zurücklegen kann - wenn ich es mal brauchen sollte.
-Das hat aber nichts mit den tatsächlichen Anforderungen zu tun.
Es wäre halt ein gutes Gefühl zu wissen daß man könnte, wenn man es bräuchte.

Beispiel:
Heute die Fahrt von uns zu Hause bis zur eltefa-Messe waren es 51 km einfache Strecke. Mit dem Elektrofahrzeug hin- und zurück ohne aufzutanken nicht möglich.

Und unser Erstwagen ist halt der für meine Frau, den ich ihr auch so wenig wie möglich wegnehmen will. :)

Ist halt eher ein psychologisches Problem sich so wenig wie möglich einschränken zu wollen bei gleichem Komfort und Mobilität.

Gruß Frank
 
P

Peter Heck

Guest
Hallo Frank
Hättest Du locker schaffen können.
Im Parkhaus gibt es 2 ! Parkplätze mit Stromtankstelle.
Gleich hinter der Kasse.
Strom ist umsonst !
Gruss aus dem Schwabenland.
Peter
 

peter

Neues Mitglied
12.08.2015
0
Hallo Konrad,
ich habe auch ein FactFour Targa und hatte viele Probleme mit der CityCom.
Um alle Mängel beseitigen zu können, musste mein EL so gar zurück ins Werk.
Ich fuhr mit Lithium-Ionen-Batterien, die nach nur 700 Km den Geist aufgaben.
Unterschiedliche Farben (Haube und Wanne) und Wellen in der Haube krönten dann noch das Ganze.
Ich habe inzwischen mein EL zurück, bestückt mit vier Champion-Vlies-Akkus a. 85 Amp, alle in den hinteren Batteriekasten passend. Ich fahre damit 65 Km/h
schnell und habe eine Reichweite von über 70 Km.Auch ich habe kurz vor meiner Haustür eine ca. 500 m lange Steigung und komme sehr gut damit hoch.
Ich hatte noch keine hängenden Blinker und auch sonst ist nun endlich alles OK.
Das Dach ist auch dicht. Ich kann Dir nur wärmstens ein CityEL empfehlen, es ist alltagstauglich. Die Alltagstauglichkeit im Winter muss ich allerdings auch erst noch abwarten, die Batterien müssen vor dem Ladevorgang vorgeheizt werden.

Gruß
Peter
 

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